Der Griff in die Kasse
Wir lesen in den Zeitungen immer über Mitarbeiter, die in ihrem Betrieb in die Kasse gegriffen haben. Nur wenige von uns wissen, dass der größte Dieb im Unternehmen meistens jedoch der Chef selber ist, denn nur er hat unbegrenzten Zugang. Es spielt dabei keine Rolle, ob man als Chef Geld aus der Kasse entnehmen darf oder nicht, sondern darum, welche Auswirkungen das hat. Je kleiner der Betrieb, umso größer ist der prozentuale Anteil des Geschäftsführergehaltes an den Gesamtausgaben. Gleichzeitig ist aber gerade in diesen Betrieben die Neigung zum „Diebstahl“ besonders groß. Beispiel: Der Malermeister XY kassiert oft auf kleinen Baustellen cash, hat Bares für Materialien, Aushilfslöhne, Spritkosten und Pausensnacks in der Tasche, aber keine Zeit, ein ordentliches Kassenbuch zu führen. Am Ende des Tages fehlt ihm jeder Überblick, wie viel er wofür ausgegeben hat. Die Belege werden natürlich gesammelt, aber eine wirkliche Kontrolle der Ausgaben findet nicht statt. Er hat das Gefühl, immer Geld zu haben, da es sich ja in seiner Tasche in ausreichender Menge befindet. Sparen ist so sehr schwer, denn wer die Tasche voll Geld hat, der wird nicht lange nachdenken, ob er beim Mittagsessen lieber Mal auf ein Getränk oder eine große Portion verzichtet oder ob er nicht lieber seine Getränke und seine Brotzeit doch von zuhause mitbringt. Haben Sie ihren Chef schon mal dabei gesehen, wie er seine Käsebrote ausgewickelt hat? Vermutlich nicht. Wir haben aber schon viele Unternehmer gesehen, die pleite gehen, weil sie ihre Kosten nicht im Griff haben. Fragen Sie mal beim Finanzamt nach, wie viele Millionen Euro an Steuern von Kleinbetrieben geschuldet werden, deren Inhaber gleichzeitig ein verschwenderischen Leben führen, solange, bis sie pleite sind. Wie kann man als kleiner Selbstständiger dieser Falle entgehen? Die goldene Regel lautet: auch für Chefs ist der Griff in die Kasse tabu. Wer berufsbedingt mit Bargeld umgeht, der muss die Mühe auf sich nehmen und zwei Geldbörsen benutzen. Eine private und eine geschäftliche. Eine zweite Regel lautet, dass man sich als Chef ein monatliches festes Gehalt auf ein privates Konto überweisen sollte. Wer in fetten Monaten ausgibt, was er hat, dem bleibt in mageren Monaten oft nur noch der Gang in die Insolvenz. Der Grund ist ganz einfach: Viele Firmenkosten entstehen nur jährlich und mindern so den Gewinn, ohne das wir das im Auge hatten. Dazu gehören Steuerberatungskosten, Innungsbeiträge, viele Versicherungen, KFZ-Steuern, Einträge im Branchenbuch, Steuernachzahlungen. Wer das nicht im Auge hat, sondern den eigenen Betrieb mit dem Griff in die Kasse beklaut, der ist schneller pleite, als er zusehen kann. Ich habe keine Statistik zur Hand, doch ich schätze, dass auf diese Art etwa die Hälfte aller Pleiten von Kleinbetrieben entstehen. Es spricht nichts dagegen, sich jährlich vom Überschuss etwas vom Firmenkonto zu entnehmen, wenn alle Kosten bezahlt sind, Rücklagen gebildet wurden und trotzdem noch etwas übrig ist, aber eben nicht monatlich ohne jede Kontrolle, nur weil das Geld „scheinbar“ da ist.